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2 - Ölgewinnung durch Extraktion
Die Ölgewinnung mittels Extraktion ist heute die häufigste
Art um Pflanzenöle zu gewinnen. Fast alle Pflanzenöle,
mit Ausnahme des Olivenöls, werden so gewonnen um letztendlich
als raffinierte Pflanzenöle in den Handel zu kommen.
Bei der Extraktion wird das Pflanzenöl aus dem Zellverband
mittels eines Lösungsmittels, meist technisches n-Hexan, herausgelöst.
Um zu gewährleisten, dass das Lösungsmittel ungehindert
in die Saat eindringen kann, müssen die Zellwände aufgebrochen
und gleichzeitig die Diffusionswege klein gehalten werden. Dazu
wird das Saatgut zunächst mechanisch zerkleinert und auf Walzenstühlen
zu feinen Flocken gepresst. Wenn nötig wird das Saatgut erwärmt.
Dabei werden durch die Koagulation des Eiweißes und die Wasserdampfbildung
zusätzlich die Zellwände zerstört.
In der Praxis kommen zwei Extraktionsverfahren zum Einsatz. Diese
Verfahren sind das Perkolations- und das Immersionsverfahren. Bei
beiden Extraktionsverfahren ist gemeinsam, dass Lösungsmittel
(Extraktionsmittel) und Saatgut (Extraktionsgut) im Gegenstrom laufen.
Es kommt stets frisches Lösungsmittel mit weitgehend entölter
Saat und frische Saat mit weitgehend ölgesättigtem Lösungsmittel,
der sogenannten Miscella, in Berührung. Nach der Extraktion
wird das Lösungsmittel vom Öl abdestilliert und dem Prozess
wieder zugeführt.

2.1 Das Perkolationsverfahren
Das Perkolationsverfahren, auch Durchlaufverfahren genannt, beruht
auf dem Prinzip der ununterbrochenen Benetzung des Extraktionsgutes.
Das Extraktionsmittel strömt dabei am Extraktionsgut vorbei.
Dies bedeutet, einen ununterbrochenen Austausch des frei fließenden
Lösungsmittels mit dem Extraktionsgutes, welches das Extraktionsmittel
aufsaugt. Durch den ständigen Durchfluss des Lösungsmittels
ist dafür gesorgt, dass lokal gesättigtes Lösungsmittel
abfließt und durch nicht gesättigtes ersetzt wird. Voraussetzung
dafür ist, dass das Extraktionsmittel zwischen dem Extraktionsgut
frei fließen kann.
Der Vorteil des Verfahrens ist, dass das Extraktionsgut mechanisch
nicht belastet wird. Dieses Verfahren wird hauptsächlich dann
angewandt, wenn "frei" vorliegendes Öl extrahiert
werden soll. Feine Teilchen, die sich zwangsläufig während
der Extraktion bilden, gelangen nicht in die Miscella, da die Saatteilchen
als Filter wirken.

2.2 Das Immersionsverfahren
Das Immersionsverfahren wird angewandt, wenn Öl aus schwer
extrahierbarer Matrix gewonnen werden soll. Dies ist dann der Fall,
wenn das Extraktionsgut stark rohfaserhaltig ist.
Beim Immersionsverfahren wird das gesamte zu extrahierende Saatgut
in das Extraktionsmittel eingetaucht. Systembedingt kommt es zu
keiner erzwungenen Bewegung, die dafür sorgt, dass ölgesättigtes
Lösungsmittel (Miscella) gegen frisches ausgetauscht wird.
Es ist daher notwendig, das statische System durch Rühren so
zu beeinflussen, dass ein Konzentrationsausgleich stattfindet. Durch
das Rühren bildet sich zwangsläufig ein Abrieb des Extraktionsgutes,
so dass die Miscella später filtriert werden muss.

2.3 Beeinflussende Faktoren der Extraktionsverfahren
Eine Vielzahl von Faktoren beeinflussen die zwei Extraktionsverfahren.
In der Regel sind jedoch nur 5 Faktoren von größerer
Bedeutung.
a) Wassergehalt der Saat
Wasser als polare Substanz behindert die Benetzung der Saatgutoberfläche
und das Eindringen des Extraktionsmittels in die Saat. Zudem setzt
es die Diffusion herab. Man benötigt jedoch eine bestimmte
Restfeuchte um die Elastizität der Saatblättchen zu erhalten
und um ein Zerbröseln zu Staub zu verhindern, was bewirken
würde, dass das Extraktionsmittel das Saatgut schlecht durchdringen
kann.
b) Partikelgröße und -form
Zum einen müssen die Teilchen des Extraktionsgutes so beschaffen
sein, dass das Extraktionsmittel ohne großen Widerstand frei
fließen kann. Zum anderen muss die Teilchengröße
die, möglichst gute, Extraktion jedes einzelnen Teilchens ermöglichen,
indem die Diffusionswege minimiert werden. Das Saatgut darf dabei
nicht in Form von Mehl vorliegen, da sonst die Perkolation des Lösungsmittel
nicht möglich ist.
c) Extraktionsmittelmenge
Das Verhältnis Extrationsmittelmenge/Extraktionsgutmenge ist
abhängig von der Zusammensetzung der Saat. Allgemein steigt
die Menge des Extraktionsmittels mit dem Rohfaseranteil der Saat.
Eine weitere Rolle spielt die Miscellakonzentration. Allgemein gilt,
je höher diese ist, desto weniger Energie ist notwendig, um
das Extraktionsmittel später zu entfernen.
d) Extraktionstemperatur
Durch eine höhere Temperatur wird die Viskosität des Lösungsmittel
herab- und die Löslichkeit des Extraktes im Lösungsmittel
heraufgesetzt. Wegen der geringeren Viskosität des Lösungsmittels
und des größeren Lösungsvermögens bei höherer
Temperatur ergibt sich ein höherer Extraktionsgrad. Zwar sind
die Unterschiede nicht gravierend, aber die Verwendung erwärmter
Extraktionsmittel ist dennoch lohnend. Die erhöhte Ausbeute
an Öl wiegt den Kostenfaktor, der zur Erwärmung des Lösungsmittels
benötigt wird, auf.
e) Extraktionszeit
Die Extraktionszeit hat einen Einfluss auf den Extraktionsgrad und
hängt von der Art und Struktur des Extraktionsgut ab.

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