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Produktgruppe 6 - Fettsäuren und Glycerin
Glycerin (Glycerol) ist der Trivialname
für den Alkohol 1,2,3-Propantriol (C3H8O3) mit der Molekülmasse
92,1. Man unterscheidet zwei Gehaltsstufen: Glycerin 99 % (Gehalt
mind. 98,0 bis max. 101,0 %; typisch: 99,5 % ) und Glycerin 85 %
(Gehalt mind. 83,5 bis max. 88,5 %; typisch. 85,5 %). Der Gehalt
wird jeweils bezogen auf die wasserfreie Substanz.
Glycerin wurde 1779 von dem deutschen Chemiker Scheele bei der
Verseifung von Olivenöl mit Bleioxid entdeckt. Der französische
Chemiker Chevreul führte 1811 die Bezeichnung "Glycerin",
abgeleitet vom griechischen glykys = süß, ein. Pelouze
ermittelte 1836 die empirische Zusammensetzung, 1872 gelang Friedel
die Synthese von Glycerin ausgehend von Aceton über Isopropanol,
Propen, 1,2-Dichlorpropan und 1,2,3-Trichlorpropan. Glycerin ist
in Form von Fettsäureester Bestandteil aller Fette und Öle
und somit in der Natur weit verbreitet.
Kokosöl, Palmöl, Talg, und Sojaöl enthalten 17 %,
11 %, 10 % bzw. 10 % Glycerin. Glycerin ist damit ein normaler Bestandteil
unser täglichen Nahrung. Glycerin kommt weiterhin als Lecithin
im Eidotter, Gehirn, in Blutkörperchen, in der Galle und im
Nervengewebe vor. In untergeordneter Menge bildet sich Glycerin
bei der alkoholischen Gärung und ist daher in geringen Mengen
im Wein enthalten.
Die Glyceringewinnung erfolgt heute nach vier Methoden:
1. Hydrolyse aus Fetten (Fettsäureesterspaltung),
2. durch Synthese ausgehend von Propen,
3.) Hydrolyse von Kohlenhydraten mit anschließender katalytischer
Hydrierung (Glycerogen),
4.) alkoholische Gärung.
Glycerin war ursprünglich ein Nebenprodukt der Fettverseifung.
Als in den vierziger Jahren, besonders in USA, synthetische Waschmittel
vordrangen, reichte der steigende Glycerinbedarf auf Fettsäure-Basis
nicht mehr aus. Syntheseverfahren wurden entwickelt (siehe oben).
Heute ist in vielen Ländern das Maximum der Glycerinproduktion
auf petrochemischer Basis durchlaufen.
Glycerin ist eine klare, farblose bis fast farblose, sirupartige,
sich fettig anfühlende, stark hygroskopische, mit Wasser und
Ethanol mischbare, in Aceton und Ether schwerlösliche, sowie
praktisch in fetten und ätherischen Ölen unlösliche
Flüssigkeit. Glycerin wird hauptsächlich in der Kunststoffindustrie
(Alkydharze, Polyurethan-Schäume,) und in der chemischen Industrie
(Chinolin, Benzanthron, Alizarinblau) eingesetzt. Große Mengen
Glycerin dienen als Feuchthaltemittel (Tabak), Salbengrundlage (Zahnpasta),
Hautpflegemittel (Handcremes), Süßen von Getränken
und zur Extraktion von Naturstoffen.
In der Textilindustrie wird Glycerin zur Herstellung von Schlichten
und Appreturen eingesetzt. Weitere Einsatzgebiete sind Wärmeübertragungsmittel
in Heizsystemen, Sperr,- Brems,- und Kühlflüssigkeit (arktische
Laufkäfer überleben -85°C, da ihr Blut Glycerin enthält),
Weichmacher in Kautschukwaren (Reifen), Drucküberträger
in hydraulischen Systemen sowie die Druckfarbenindustrie (Stempel-
und Druckfarben, Kopiertinten). Als Sprengstoff (Nitroglycerin)
wird heute noch ca. 4 % der Glycerinproduktion eingesetzt.
In der Pharmazie dient Glycerin als Abführmittel (rektale
Anwendung). Parenteral und intravenös kann Glycerin nicht zugeführt
werden (z.B. Lösungsvermittler für Arzneimittel),da dies
zu Auflösung der roten Blutkörperchen führt.

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