 |
Produktgruppe 3 - Hoch ungesättigte Öle
Leinöl wird aus den Samen der
Leinpflanze (synonym Flachs) Linim usitatissimum L. (Linaceae) durch
Pressen (kaltgepresstes Leinöl) oder durch Extraktion gewonnen
und anschließend vollständig oder teilweise raffiniert.
(raffiniertes Leinöl, Lackleinöl).
Lein ist eine uralte einjährige, blaublühende Kulturpflanze,
die schon vor 6000-8000 Jahren von den Sumerern und Ägyptern
(Einhüllen von Mumien mit Leintüchern) aber auch von den
Pfahlbauleuten der jüngeren Steinzeit (Bodensee, Unteruhldingen)
angebaut wurde. Die ursprüngliche Heimat der Pflanze ist unbekannt.
Die Germanen kultivierten die Pflanze. Bis ins 16. Jahrhundert zählte
Deutschland wegen des Leinanbaus zu den wichtigsten "Industrieländern".
Infolge der Verdrängung durch die geschmeidigere, leichter
anfärbbare Baumwolle nahm der Anbau drastisch ab. Wichtige
Anbauländer sind heute die La-Plata-Staaten, USA, Canada, Indien,
Ägypten, die ehemalige Sowjetunion, in kleinerem Umfang Belgien,
Holland, Frankreich und neuerdings auch wieder Deutschland.
Die getrockneten braunen Kapseln der Pflanze enthalten je 6-7 Samen
mit einem Ölgehalt von ca. 38-44 %. Zur Ölgewinnung wird
dieser nach dem Mahlen gepresst (kaltgepresstes Leinöl) oder
mit Lösungsmittel extrahiert und anschließend raffiniert
(raffiniertes Leinöl).
Kaltgepresstes Leinöl ist eine klare, goldgelbe oder bräunliche,
grünlichgelbe Flüssigkeit mit charakteristischen Geruch
und Geschmack. Die raffinierte Ware ist hell- bis goldgelb, der
charakteristische Geruch und Geschmack ist, bedingt durch die Raffination,
weniger stark ausgeprägt. Unter der Bezeichnung "Lackleinöl"
kommt eine Ware in den Handel, die teilweise raffiniert ist - entsäuert
und gebleicht, aber nicht desodorisiert.
Leinöl ist ein öl-, linol-, (etwa zu gleichen Anteilen)
aber vor allem linolensäurereiches, stark trocknendes, Öl,
das ausgestrichen innerhalb 24 bis 36 Stunden zu einem festen, transparenten
Film erstarrt (Autoxidation). Leinöl wird hauptsächlich
in der technischen Chemie eingesetzt. Leinöl dient als Rohstoff
für die Herstellung von Ölfarben, Firnissen, Öllacken
und Linoleum, in geringem Umfang auch zur Modifizierung von Alkydharzen
(Leinölalkyde) sowie zur Bereitung von Schmierseifen, Kitt,
Buchdruckerschwärze und Linimenten. Wegen seiner polymerisierenden
Eigenschaft kann Leinöl als Farbbindemittel verwendet werden.
Leinöl-Standöl, (hergestellt durch Erhitzen unter Luftabschluß)
ist zähflüssig, die Anstriche sind fest, elastisch und
beständig gegen Witterungs- und Temperaturunterschiede. In
der Tiermedizin (Abführmittel für Schafe und Pferde) und
in der Kosmetik (Peelingcremes) wird Leinöl ebenfalls eingesetzt.
In geringem Umfang wird, meist in osteuropäischen Ländern,
kaltgepresstes Leinöl als Speiseöl verwendet.

|

|