 |
Produktgruppe 4 - Andere Fette und Fettmischungen
Rizinusöl wird aus den Samen von
Ricinus communis L. durch Pressen ohne Wärmezufuhr gewonnen
(Kaltpressung). Eine weitere Pressung, diesmal unter Wärmezufuhr
(Warmpressung), liefert ein Rizinusöl mit der Bezeichnung Rizinusöl
1. Pressung.
Die in den gemäßigten Breiten wachsende, ca. 1-3 m hohe,
einjährige Rizinuspflanze ist baumartig verzweigt, krautig
und frostempfindlich. Die in wärmeren Regionen beheimatete
Pflanze kann bis zu 12 m hoch werden und lebt ca. 4 Jahre. Samen
der Pflanzen fanden sich in ägyptischen Gräbern aus der
Zeit 4000 v. Chr., jedoch ist nicht geklärt, ob der Rizinus
ursprünglich aus Indien oder Afrika stammt. Heute ist die wirtschaftlich
wichtige Pflanze weltweit verbreitet. Die bevorzugten Gebiete sind
jedoch die Tropen und Subtropen.
Der den Samen enthaltende rosenrote Fruchtknoten ist umgeben von
einer harten, rötlichbräunlichen, marmorierten Schale.
Der Samen besitzt einen Ölgehalt von 40-50 %. Das kalt gepresste
Rizinusöl ist eine schwach gelbliche, unverdauliche, viskose,
nichttrocknende Flüssigkeit mit schwachem charakteristischem
Geruch und mildem aber später unangenehmem kratzigen Geschmack,
während das durch Warmpressung gewonnene Rizinusöl 1.
Pressung eine deutliche gelbbraune Farbe aufweist.
Rizinusöl besteht hauptsächlich aus Öl-, Linol-,
Palmitin-, und Stearinsäure sowie zu 80-85% aus dem Glycerid
der Ricinolsäure, auf der die abführende Wirkung des Rizinusöles
beruht. Deshalb wird Rizinusöl in der Human- und Tiermedizin
als Abführmittel verwendet. Da Rizinusöl eine weitgehend
unabhängige, gleichbleibende Viskosität und eine starke
Adhäsionskraft besitzt, wird es als Schmieröl für
Flugzeuge, Schiffe, Düsentriebwerke, hydraulische Pumpen, Bremsflüssigkeit
sowie als Weichmacher in der Plastikindustrie eingesetzt. Ein weiteres
wichtiges Einsatzgebiet ist die Verwendung als Rohstoff für
die Farb- (Druckfarben, lithographischer Firnis, Öltuch) und
Lackherstellung (Klar- und Emaillelacke), in der Gummi-, Textil-,
Leder-, Kunststoff- (Polyamid 11) und Reinigungsmittelindustrie,
wobei hier auch weiterverarbeitetes Rizinusöl (z. B. Türkischrotöl
= sulfatiertes Rizinusöl) Anwendung findet.
Rizinusöl wird in der technischen Industrie sowohl als Grundstoff
für die Sebacinsäure- und 12-Hydroxystearinsäuresynthese
als auch für die Herstellung von Linoleumböden eingesetzt.
In der dekorativen Kosmetik wird Rizinusöl als Grundstoff für
Lippenstifte und Eyeliner verwendet. In Haarshampoos ist bis zu
30% Rizinusöl enthalten.

|

|